Digitale Medien informieren, unterhalten, verbinden Menschen miteinander und fördern Kreativität. Den Zugang zu diesen Medien und das Recht auf Teilhabe für junge Menschen schreibt die UN-Kinderrechtskonvention vor. Doch gerade für ältere Grundschulkinder fehlt es häufig an passenden, altersgerechten Angeboten, die sie nicht nur schützen, sondern auch Mitgestaltung ermöglichen und begeistern

Die Neun- bis 13-Jährigen befinden sich in einer Übergangsphase: zu alt für klassische Kindermedien, aber noch nicht alt genug für altersübergreifende Plattformen. Der Versuch, sie pauschal von Diensten auszuschließen, ohne ihnen attraktive Alternativen zu bieten, verfehlt das Ziel – und läuft letztlich dem Schutzgedanken sowie der Befähigung und Teilhabe junger Menschen entgegen.

63 Prozent der Kinder zwischen zehn und elf Jahren verfügen über ein eigenes Smartphone. Mehr als die Hälfte der internetnutzenden Sechs- bis 13-Jährigen ist täglich online.

KIM-Studie 2024, mpfs

Ein zeitgemäßer Kinder- und Jugendmedienschutz muss die Lebenswelt junger Menschen ernst nehmen und ihnen Räume bieten, die sie auch freiwillig aufsuchen möchten. Es braucht einen Dreiklang aus kindgerechten Angeboten, besonderen Lösungen für das Übergangsalter und sicheren Settings innerhalb altersübergreifender Plattformen. Medienpädagogisch fundierte Begleitung, elterliche Unterstützung und eine Stärkung der Medienkompetenz sieht die FSM als zentrale Elemente.

Denn wer gelernt hat, Gefahren zu erkennen, eigene Grenzen einzuschätzen und Medien bewusst zu nutzen, ist gut gerüstet für eine sichere und souveräne Teilhabe an der digitalen Gesellschaft. Darüber hinaus sollten Kinder und Jugendliche nicht nur über Medien aufgeklärt werden, sondern aktiv an der Gestaltung digitaler Angebote beteiligt sein. Ihre Perspektiven, Ideen und Bedürfnisse müssen in Entwicklungsprozesse systematisch einbezogen werden.

 

 

 

 

SICHERER ÜBERGANG: Ihre ersten Online-Erfahrungen sollten junge Menschen in einem möglichst behüteten Umfeld machen, um sich später sicher und selbstbestimmt online zu bewegen.

Kinder müssen bei der Entwicklung von altersgerechten Online-Angeboten an Bord geholt werden, um ihre Bedürfnisse abzufragen und sie entsprechend zu berücksichtigen.“

Anke Meinders, ehemalige Geschäftsführerin des fragFINN e.V.

Vom Kinderprogramm zu Social Media

Kinder im Alter von neun bis 13 Jahren, sogenannte Pre-Teens, verfügen meist über ein eigenes Smartphone, bewegen sich eigenständig im Netz und nutzen häufig Angebote, die nicht für ihre Bedürfnisse konzipiert sind – oftmals ohne elterliche Begleitung. Diese Altersgruppe nahmen die FSM und die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) im Rahmen der Veranstaltungsreihe medien impuls in den Fokus.

Bei der medien impuls-Fachveranstaltung am 12. März 2024 wurde deutlich, wie groß die Lücken in Online-Angeboten, Schutzkonzepten und medienpädagogischer Begleitung gerade für diese Altersgruppe sind. Während das medienerzieherische Engagement der Eltern zunehmend sinkt, fehlen altersgerechte Angebote für Pre-Teens.

„Pre-Teens sind eine spannende Altersgruppe – sie bewegen sich selbstständig online und die elterliche Kontrolle schwindet, aber sie müssen immer noch vor gewissen Risiken geschützt werden.“

Stephan Glöckler, Referent Bürgerfernsehen/Medienforschung bei der Medienanstalt Rheinland-Pfalz

Um Pre-Teens bei ihrer Mediennutzung künftig bedürfnisgerecht zu schützen und zu empowern, wünschten sich unsere Panel-Gäste unter anderem:

  • Einbeziehung von Pre-Teens in die Entwicklung neuer Angebote
  • Langfristig gesicherte Förderung von Kinder- und Pre-Teen-Angeboten
  • Bestehende Angebote für Pre-Teens attraktiver und sicherer zu gestalten
  • Datensparsame Age Assurance Mechanismen
  • Unterstützung der Anbieter durch Politik und Regulierung, um den aktuellen Jugendmedienschutzrahmen in der Praxis gut umzusetzen
  • Mehr niedrigschwellige und mehrsprachige Unterstützungsangebote für Eltern und pädagogische Fachkräfte sowie Austauschmöglichkeiten für Eltern

Befähigung ist ein wichtiger Teil des Schutzes von Kindern und Jugendlichen – Verbote bringen uns in der Praxis nicht weiter.“

Dr. Sophie Reimers, Referentin für Jugendmedienschutz & Projektleitung „Eltern-Medien-Beratung“ bei der Aktion Kinder- und Jugendschutz (AKJS) Brandenburg

Kindgerechte Angebote bekanntmachen – Medienerziehung von Eltern stärken

Im von der Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz (BzKJ) geförderten Projekt „Eltern-Inspos zu Kinder-Partizipationsplattformen“ entwickelte die FSM gemeinsam mit dem JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis modellhaft einen neuen Ansatz, der redaktionell betreute Orientierungsangebote für Eltern mit partizipativen Plattformen für Kinder systematisch verknüpft. Ziel ist es, Kinderseiten nicht nur als sichere Online-Räume zu gestalten, sondern auch als Startrampen in die digitale Teilhabe: Kinder erhalten Impulse zur Mitgestaltung, während ihre Eltern gleichzeitig niedrigschwellig über das Medienhandeln ihrer Kinder informiert und in ihrer Begleitfunktion gestärkt werden. Mehr zu dem Projekt lesen Sie unten auf dieser Seite.

Fazit

Der Kinder- und Jugendmedienschutz steht heute vor der Herausforderung, passende Angebote im gesamten Spektrum zwischen behüteten ersten Online-Erfahrungen in der Kindheit und selbstbestimmter Nutzung im Jugendalter zu schaffen. Die FSM begegnet dem mit Projekten, die Medienkompetenz stärken, Eltern unterstützen und die Perspektive junger Menschen einbeziehen. Doch die Kindermedienlandschaft in Deutschland muss strukturell gestärkt werden – durch politische Unterstützung und gezielte Förderung. Gleichzeitig sind Anbieter in der Pflicht, digitale Räume aktiv altersgerecht zu gestalten. Denn nur wenn Schutz, Befähigung und Teilhabe Hand in Hand gehen, entstehen attraktive Online-Angebote, die Kinder und Pre-Teens wirklich erreichen – sicher, inklusiv und zukunftsfähig.

Jugendgerechtes Meldeformular

Junge Menschen haben ein feines Gespür für Missstände im Netz – doch viele sind unsicher, ob und wie sie problematische Inhalte melden können. Daher arbeitet die Online-Beratungsplattform für junge Menschen JUUUPORT seit Langem mit den Beschwerdestellen von FSM, eco und jugendschutz.net zusammen. 2024 wurde die Meldeoption auf der Website von JUUUPORT jugendgerecht überarbeitet. In einer auf Social Media verbreiteten Themenwoche sowie mit einer aufmerksamkeitsstarken Aktion in Hannover wurde das neue, niedrigschwellige Meldeformular beworben. Ziel ist es, jungen Menschen aktiv Handlungsoptionen anzubieten und sie über Abläufe und Wirksamkeit von Meldungen transparent zu informieren. Meldungen, die über das Formular eingehen, werden von der FSM-Beschwerdestelle sowie jugendschutz.net und eco bearbeitet.

Zum Meldeformular

Vorgestellt

Eltern-Inspos zu Kinder-Partizipationsplattformen

Wie können sich Kinder aktiv und sicher im Netz einbringen – und wie können Eltern sie dabei gut begleiten? Hier helfen Elterninformationen zur Medienerziehung, die direkt in altersgerechte Online-Angebote eingebettet sind.

Im Projekt „Eltern-Inspos zu Kinder-Partizipationsplattformen“ hat das JFF – Institut für Medienpädagogik zusammen mit der FSM daran gearbeitet, Partizipationsangebote für Kinder und die familiäre Medienerziehung zu stärken. Realisiert wurde das Projekt mit Impulsen von Elternguide.online (siehe Kapitel zu Elternguide.online) und knipsclub. Im Rahmen des Programms „Kindgerechte digitale Angebote und Maßnahmen zur Orientierung“ erfolgte eine Förderung durch die Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz (BzKJ).

Über knipsclub

Der knipsclub ist eine Fotocommunity für Kinder von 8 bis 12 Jahren. Kinder können dort eigene Fotos veröffentlichen und mit anderen teilen – im sicheren Rahmen einer geschlossenen Community, auf der sich nur Kinder befinden. Kinder fotografieren gern und sehen sich auch gern Bilder an, die andere Kinder gemacht haben. Im knipsclub können diese Interessen auf einer sicheren Plattform bedient werden. Der knipsclub ist ein Projekt des JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis.

Zum Projekt

Kinder stärken, Eltern einbinden

Kinderplattformen wie knipsclub bieten jungen Nutzerinnen und Nutzern altersgerechte Möglichkeiten zur Beteiligung. Damit diese Angebote noch wirksamer zur digitalen Teilhabe beitragen können, entwickelten FSM und JFF im Rahmen des Förderprojekts „Eltern-Inspos“ Ansätze für eine systematische Verknüpfung mit elterlicher Medienkompetenzförderung. Das Besondere: Eltern erhalten nicht nur statische Informationen über das jeweilige Online-Angebot, sondern kontextualisierte, vorausschauende Impulse für ihre Medienerziehung.

Die wichtigsten Ansätze im Überblick

  • Verknüpfung von Kindermedien und Elterninfos: Redaktionell aufbereitete Inhalte zur Einordnung, Begleitung und Perspektivenerweiterung.
  • Dynamische Perspektive: Hinweise auf künftige Mediennutzung statt rein rückblickender Informationen.
  • Partizipativ entwickelt: Die Perspektiven von Fachkräften und Eltern wurden in der Konzeption aktiv einbezogen.
  • Anpassbar und offen lizenziert: Die Bausteine stehen unter CC BY-SA 4.0 und können angepasst und weiterverbreitet werden.
  • Orientierungshilfe für Anbieter: Ein übertragbares Modell für andere Plattformen, das zur Qualitätssteigerung beiträgt.

Ein Modell für andere Plattformen

Das Projekt entwickelte unter anderem einen redaktionellen Baukasten, der kostenfrei zur Verfügung steht. Er liefert Anbietern von Kinderseiten flexibel anpassbare Textbausteine zur Elternansprache – auf Deutsch (Du- und Sie-Ansprache) und Englisch. Ziel ist es, die elterliche Begleitung zum integralen Bestandteil von Kinderseiten zu machen – mit niedrigschwelligen, alltagstauglichen Materialien, die Information, Orientierung und Dialog fördern. Anbieter von Kinderseiten, die sich häufig ehrenamtlich oder mit begrenzter Förderung enorm dafür engagieren, dass Kinder positive Online-Erfahrungen machen, sollen hier gezielt unterstützt und entlastet werden.

Zum redaktionellen Baukasten

Außerdem stellt Elternguide.online besonders empfehlenswerte Mitmach-Angebote für Kinder in einer eigenen Artikelreihe vor, damit Eltern und Familien altersgerechte Kindermedien gezielt kennenlernen können. Das Projekt leistet einen wichtigen Beitrag zur digitalen Aufklärung von Familien und stärkt die Rolle von altersgerechten Online-Angeboten als Einstieg in eine selbstbestimmte und gut begleitete Mediennutzung.

 

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